Mittwoch, 1. Juli 2015

Ab ins Täschchen reloaded: Koistinen

Nachdem also inzwischen auch eine Koistinen Wing5 bei mir eingetroffen ist, kann ich auch hier - wie versprochen - etwas über die von Koistinen angebotene Tasche sagen.

Koistinen
Von allen fünfsaitigen Kantelen, die ich hier habe, verfügt die von Koistinen über die größte Oberfläche. Die Tasche, die es für 65,-- Euro beim größten finnischen Serienhersteller gibt, ist alsomaßgeschneidert für die Wing5.

Außen befinden sich zwei Taschen fürs Zubehör...
... und im innern eine schmale Tasche für den Stimmschlüssel.
Für alle, die nicht auf fünf zählen können, gibt's Hilfestellung überm Firmenlogo...

Die Tasche ist robust und passt zum "modernen" Design der Wing5. Ein Schultergurt ist an der Rückseite der Tasche befestigt. Außerdem gibt's noch einen Handgriff mit gummierter Hülse. Die Verarbeitung ist sehr gut - das darf man bei dem stolzen Preis aber auch erwarten. Ob die fünf Zierstreifen das Täschchen nicht unnötig teurer machen, fragt man sich natürlich. Und die Außentaschen sind zwar stylish - aber wer wie ich fürs musikalische Zubehör gerne eine rechteckige Pfeifentabaksdose verwendet, stößt hier ein wenig an seine Grenzen. Die Tasche ist gut gepolstert, leicht und erfüllt vollkommen ihren Zweck.
Text und Fotos: Peter Widenmeyer, 2015

Dienstag, 30. Juni 2015

Wenn der Postmann endlich klingelt...

... dann bedeutet das, dass meine Koistinen-Kantele trotz DHL-Streik und einiger Ungereimtheiten in der Sendungsverfolg endlich und unversehrt angekommen ist! Zwischendurch musste ich befürchten, dass das lange ersparte Instrument irgendwo zwischen Hamburg und Helsinki verschollen ist.

Endlich - die neue Kantele ist da!

Ich wollte ja schon lange auch ein Instrument aus der Fertigung des größten finnischen Serien-Herstellers haben. Es ist eine fünfsaitige Wing-Kantele mit Dur-/Moll-Hebel.

Vorab hier schon mal ein Ganzkörperfoto:

Koistinen Wing5, Erle mit Ahorn natur.

Eine ausführliche Beschreibung und ein Vergleich der drei Wing-Modelle von Melodia Soitin, Lovikka und Koistinen folgt irgendwann in den nächsten Wochen.

Grafik, Foto und Text: Peter Widenmeyer, 2015

Dienstag, 23. Juni 2015

Kleb' dir eine...

Akkordeon und Kantele - diese beiden Instrumente sind die Hauptdarsteller auf zwei Briefmarken, die die finnische Post im Mai 2014 herausgegeben hat. Leider darf ich die Briefmarken hier nicht wiedergeben (obwohl ich sie mir gekauft und hier vor mir liegen habe), da sie urheberrechtlich geschützt sind. Deshalb hier dieser Platzhalter:


Hier gehts zur Präsentation der Marke auf der Homepage der finnischen Post: Klick!
Schnell fällt auf, dass sowohl die Kantele als auch das Akkordeon irgendwie seitenverkehrt abgebildet sind. Und warum ausgerechnetet eine sechssaitige Kantele gezeigt wird, ist auch nicht so recht nachvollziehbar.

Vielleicht hängt die grafische Gestaltung ja mit dem auf beiden Briefmarken versteckten CEE Code zusammen. Dieser kann mit speziellen Smartphone-Apps ausgelesen werden und soll dann direkt zu einem darin verlinkten Youtube-Video führen. Auf diesem bietet die "Folk Big Band" die D-Moll-Polka von Konsta Jylhä auf. Nähere Infos auf Deutsch und den Link zum Youtube-Video gibt es auf dieser deutschsprachigen Pressemitteilung der finnischen Post: Klick! (PDF-Datei)

So oder so: viel Spaß damit!
Text, Foto und Montage: Peter Widenmeyer, 2015

Samstag, 20. Juni 2015

Mittsommer!

Einen schönen Mittsommer allerseits!

Juhannus: In ganz Finnland feiert man die kürzeste Nacht des Jahres. Nur wer jetzt den Sonnenschein einfängt, hat einen Vorrat für den langen Winter. Der kommt langsam, aber unaufhaltsam näher - nach Juhannus werden die Tage kürzer. So oder so - Musik erfreut im Sommer wie im Winter das Herz!
Text und Foto: Peter Widenmeyer

Sonntag, 14. Juni 2015

Offen für alles...

Bei den kleinen Kantelen gibt es traditionell zwei Bauweisen, was den Korpus angeht: offen oder geschlossen. Man sieht es den Instrumenten auf den ersten Blick an: Kantelen mit geschlossenem Korpus haben auf der Decke ein Schallloch - Kantelen mit offenem Korpus dagegen nicht (wenngleich gelegentlich zur Verzierung kleine Durchbrüche zur Verzierung gebohrt oder gesägt werden).

Von links nach rechts: Decke Melodia Soitin, Decke Lovikka.
Unterseite Melodia Soitin, Unterseite Lovikka.


Beide Korpusformen haben eine lange Tradition. Dazu muss man bedenken, dass Kantelen üblicherweise aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt wurden. Geschnitzt wurde in den langen Wintern sowieso: Löffel, Teller, Schüsseln und Tröge. Und so wurden auch die Kantelen im Prinzip wie ein kleiner Trog ausgehöhlt.

Dabei erfordert die Variante mit offenem Koprus ein paar Arbeitsschritte weniger: hier besteht der Korpus aus einem Stück - selbst der Ponsi (die Saitenhalterung) kann aus dem vollen Stück herausgearbeitet sein. Die Saitenschwingung wird hier nur durch die Decke verstärkt, die deshalb auch nicht allzu dick ausfallen darf.

Von unten her ausgehöhlter Korpus.
 
Für die Variante mit geschlossenem Korpus ist etwas mehr Aufwand erforderlich: nach dem Aushöhlen des Korpus (üblicherweise von oben her) wird eine Decke aufgeleimt. Nun muss aber das separat geschnitzte Ponsi-Stück separat aufgeleimt und befestigt werden.

Von oben her ausgehöhlter Korpus mit Decke.

Bei dieser Bauweise kann der Trog etwas größer ausgehöhlt werden, da man den schrägen Linienverläufen folgen kann. Der Ton wird hier von der Decke verstärkt und zusätzlich vom Boden her reflektiert.

Welche Gründe es für die Instrumentenbauer früherer Jahrhunderte (und das waren ja in aller Regel Bauern) gab, sich für die eine oder andere Variante zu entscheiden, ist schwer zu sagen. Ob es tatsächlich Unterschiede in Lautstärke oder Klang gibt. Es stellt sich die Frage, ob hier aber nicht Holzart und -dicke, Wahl der Saiten usw. sich nicht stärker auswirken. Ein Instrument mit geschlossenem Korpus kommt der Spielweise auf dem Schoß entgegen, da auf jeden Fall ein Hohlraum bleibt, auch wenn man das Instrument an sich drückt.

Auf einem Tisch gespielt, gilt jedoch für beide Instrumente: der eigentlich Resonator ist die Tischplatte!

Die ausgehöhlte Variante hat aus heutiger Sicht noch einen kleinen Vorteil: ein kleiner Beutel mit Zubehör lässt sich problemlos im Korpus verstauen, auch wenn nur eine eng geschnittene Instrumententasche zur Verfügung steht. Ein hübscher Nebeneffekt!

Stimmschlüssel und Ersatzsaiten immer dabei!

Fotos, Grafiken und Text: Peter Widenmeyer, 2015

Freitag, 29. Mai 2015

Suvivirsi

In Finnland beginnen jetzt die Sommerferien - verständlicherweise nutzt man die langen Tage, um Sonnenvorräte anzulegen. Schließlich geht es ab Juhannus schon wieder langsam auf Weihnachten zu.

Sommer in den Schären vor Helsinki. Eigenes Foto, 2014

Nicht nur am letzten Schultag, auch bei vielen anderen privaten und öffentlichen Anlässen singt man jetzt den Sommerchoral. "Suvivirsi" lautet der Titel des Kirchenliedes, das längst zu einem Volkslied geworden ist. Darin ist es dem deutschen Lied "Geh aus, mein Herz, und suche Freud'" ähnlich. Text und Melodie des finnischen Sommerchorals stammen wie viele andere Kirchenlieder aus Schweden. "Den blomstertid nu kommer" heißt das Lied im schwedischen Original von 1697. Schon 1701 war das Lied dann bereits in Finnland bekannt.

Ich selber habe das Lied im Frühjahr 2014 in Finnland kennengelernt. Da ich nicht wusste, ob es eine brauchbare deutsche Übersetzung gibt, habe ich mich selbst hingesetzt und mithilfe meiner rudimentären Finnischkenntnissen und der Übersetzungsfunktion von Google und Bing nachfolgenden deutschen Text geschrieben. Dabei habe ich versucht, nahe am finnischen Original zu bleiben - und gleichzeitig so zu formulieren, dass man das Lied auch auf Deutsch gut singen kann.

Schließlich habe ich alles in der kantelefreundlichen Tonart D-Dur gesetzt - im finnischen Gesangbuch erklingt es einen Halbton höher in Eb. So ähnlich hört sich das dann an:


Für alle, die es gerne auf Deutsch oder Finnisch mal singen wollen, habe ich hier ein Liedblatt gestaltet. Private und nichtkommerzielle Nutzung des deutschen Textes ist gestattet.

Einfach hier downloaden (ca. 0,9 MB):
Suvivirsi - Zweisprachig auf www.finnischekantele.de

Text, Bilder, Noten und Video: Peter Widenmeyer, 2014 und 2015

Ab ins Täschchen!

Spätestens wenn man seine Kantele irgendwo hin mitnehmen möchte, stellt sich die Frage nach einer passenden Hülle. Aber auch zur Aufbewahrung daheim empfielt sich eine Tasche oder ein Koffer. Das schützt das Instrument vor Stößen, Staub und auch vor Schwankungen der Raumtemperatur und der Luftfeuchtigkeit.

Manche Hersteller bieten passende Etuis an - aber es gibt auch günstige Alternativen für fünfsaitige Kantelen.

Melodia Soitin
Für meine beiden fünfsaitigen Kantelen von Melodia Soitin habe ich mir jeweils die auf der dortigen Homepage angebotene Tasche mitbestellt.

Gepolsterte Tasche von Melodia Soitin.
Passt für die traditionelle und für die moderne fünfsaitige Form.
In diesem Innentäschchen findet reichlich Zubehör Platz.

Für 45,-- Euros gibt es eine robuste, gut gepolsterte Stofftasche. Bei der Außenhaut handelt es sich um wasserabweisendes Gewebe. Alles ist solide vernäht. Der Stoff im Inneren besteht aus dünnerem Nylongewebe; eingenäht ist auch eine kleine Tasche, in der Saiten, Stimmschlüssel und Stimmgerät Platz finden. Die ist so platziert, dass sie bei Kantelen mit offenem Korpus genau dort hineinpasst. Aber auch die traditionellen Lovikkas passen in die Tasche. Außerdem ist ein abnehmbarer Schultergurt dabei.

Lovikka
Vergleichsweise teuer ist das Köfferchen von Lovikka: derzeit kostet es 84,-- Euro für die fünfsaitige Kantele. Dafür gibt es hier einen mit Stoff bezogenen, äußerst stabilen Koffer.

Lovikka-Koffer geschlossen...
... und offen. Hier mit der fünfsaitigen Kantele in moderner Form.

Der Kern des Koffers ist vermutlich aus Holz. Stoff und die Füßchen sind nicht nur genietet, wie bei vielen Instrumentenkoffern üblich, sondern mit Kreuzschlitz-Schrauben sauber verschraubt. Verschlossen wird das Gehäuse mit einem soliden Kunststoff-Reißverschluss. Auch hier gibt's einen Schultergurt dazu. Einziger kleiner Schönheitsfehler: in dem mit samtigem Plüsch ausgeschlagenen Koffer klemmen links und rechts zwei graue Schaumstoffstreifen, die das Instrument im Koffer fixieren. Erfüllt seinen Zweck, sieht jetzt aber nicht so toll aus. Ein Innenfach fehlt - wer Zubehör im Koffer mitnehmen will, sollte einfach ein eigenes Stoffsäckchen mit in den Koffer legen.

Hama
Nachdem ich eine ganze Weile nach einem passenden Etui für meine drei traditionellen Lovikkas gesucht hatte, war ich schon drauf und dran, drei Taschen bei Melodia Soitin zu bestellen. Da stieß ich plötzlich auf gepolsterte Taschen, die fast genauso aussahen: Stativtaschen aus dem Fotobedarf für 70cm-Stative.

Die Hama-Tasche eignet sich hervorragend...
... für fünfsaitige Kantelen. Hier: Lovikka traditionell.
Auch hier: Zubehörtasche im Innern.

Ich vermute, dass auch Melodia Soitin auf Stativtaschen zurückgegriffen hat. Und die Idee ist einfach genial. Im Vergleich zu den Taschen von Melodia Soitin sind die von Hama etwas dünner gepolstert, dafür ein klein wenig länger. Das ist gut, da auch die traditionellen fünfsaitigen Kantelen von Lovikka etwas länger sind als die von Melodia Soitin. Ansonsten auch hier: saubere Verarbeitung, Schultergurt, Innentasche. Bei Kantelen mit geschlossenem Korpus (wie hier die traditionelle Lovikka) sollte man vielleicht drauf achten, dass der Schiebergriff (jawoll, das ist der Fachausdruck!) des Reißverschlusses keine Kratzer auf dem Instrument verursacht. Vorsorglich sollte man darauf achten, immer die Unterseite des Instruments auf die der Innentasche zugewandten Seite zu legen.
Erfreulich ist auch der Preis: ich selber konnte die Tasche neu für unter 15,-- Euro Stückpreis auf Ebay ergattern. Im regulären Handel kosten sie in Deutschland um die 20,-- Euro. Für eigene Recherchen: es handelt sich um die Hama-Tasche 00023198.

Koistinen
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Koistinen auf ihrer Homepage für ihre fünfsaitigen Wing-Modelle eine hauseigene gepolsterte Stofftasche zum Stückpreis von 65,-- Euro anbieten. Falls ich irgendwann eine solche in Händen halten sollte, werde ich hier im Blog berichten.
Ergänzung Juli 2015: inzwischen gibt es hier die entsprechende Beschreibung der Koistinen-Tasche!

Alle Texte und Bilder: Peter Widenmeyer, 2015