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Montag, 18. Mai 2015

Three Shades of Brown

Dreimal Lovikka traditionell: Oben mit braunem Finish, 2014.
Mitte Fichte natur, gebraucht, nachgedunkelt. Unten Fichte natur, 2015.

Im Lauf des letzten Jahres sind insgesamt drei traditionelle fünfsaitige Lovikka-Kantelen hier eingezogen. Die mittlere konnte ich günstig gebraucht erwerben und weiß nicht, wie alt sie ist. Man sieht aber deutlich, dass das Schall-Loch gegenüber den aktuellen Modellen etwas größer gebohrt wurde. Ich könnte jetzt nicht sagen, dass sich aus der unterschiedlichen Schalllochgröße irgendwelche hörbaren Unterschiede in Klang oder Lautstärke ergeben.
Die Verarbeitung ist bei allen drei Instrumenten sehr gut - empfehlenswert für alle, die ein traditionelles Instrument mit geschlossenem Korpus suchen.

Falls jemand Lust hat, sie mal auszuprobieren: einfach zu einem Tageskurs oder zum Sommerkurs bei mir anmelden! Nähere Infos unter www.kantele.info!

Natürlich können dort auch meine anderen Kantelen von Melodia Soitin angespielt und angeschaut werden!

Auf ein Instrument von Koistinen spare ich grade noch...

Foto und Text: Peter Widenmeyer, 2015

Sonntag, 25. Januar 2015

Adlerauge, sei wachsam...

Die kleinen, traditionellen Kantelen begeistern mich vor allem deshalb, weil nichts an ihnen zufällig ist und weil sie mit einer ganz natürlichen, reduzierten Ästhetik daherkommen.

Oft ist die einzige "Verzierung" das kleine, hakenförmig herausgearbeitete obere Ende des Instruments, in dessen Zentrum oft ein kleines Loch gebohrt ist. Die fünfsaitige Lovikka-Kantele ist unter den zeitgenössischen Serieninstrumenten ein schönes Beispiel dafür:

Fünfsaitige Kantele von Lovikka, traditionelle Form mit "Adlerkopf".

In dieser Gestaltung sehe ich zweierlei. Einerseits macht dieses kleine Gestaltungsinstrument in meiner Fantasie das ganze Instrument für mich zu einem (sitzenden) Raubvogel: ich erahne die Wälder und Seen Finnlands mit ihrer einzigartigen Natur. Zudem kommt der Adler ja auch an einigen Stellen im Kalevala vor: er rettet Väinämöinen und trägt ihn nach Pohjola. Und später nimmt Louhi Adlergestalt an, als es darum geht, den gestohlenen Sampo zurückzuerobern.
Andererseits hat dieses "Loch" eine ganz praktische Funktion: man kann eine Schnur hindurchziehen und zu einer Schlaufe zusammenknoten. Wenn ich an die kleinen, aus Holz erbauten Bauernhäuser Finnlands mit ihrer kärglichen Einrichtung denke, dann stelle ich mir vor, dass der beste Platz zur sicheren Aufbewahrung des Instruments an der Stubenwand war. Nagel einklopfen, Instrument dranhängen, fertig!

Ebenso ästhetisch wie praktisch: ein Loch an der richtigen Stelle!

Text, Foto und Grafik: Peter Widenmeyer, 2015