Freitag, 6. November 2015

Gezupft, nicht geschüttelt...

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Saiten einer Kantele zum Schwingen zu bringen. Die einfachste und ursprünglichste Art ist, einfach mit einem Finger über die Saiten zu streichen. Üblich ist auch heute noch die folgende Spielweise:
Dabei werden die Saiten beim Abstrich vom Fingernagel des Zeigefingers, beim Aufstrich von dessen Fingerkuppe berührt.

Anschlag mit ausgestrecktem Zeigefinger. Eigenes Foto.

Spielt man auf der Kantele Melodien, Einzeltöne oder ein Picking-Muster, dann kommen mehrere Finger zum Einsatz: gezupft wird mit den Fingerkuppen:

Hier kommen alle Finger zum Einsatz: Melodiespiel und Picking. Eigenes Foto.

Will man kräftig in die Tasten hauen, zum Beispiel beim Begleiten von Gesang beim Akkordspiel, dann kann man die Fingerspitzen von Daumen, Zeige- und Mittelfinger locker aufeinander legen. Nicht verkrampfen! Beim Auf- und Abschlag bewegen sich die Fingerspitzen leicht gegeneinander:

Beim Abschlag treffen vor allem Zeige und Mittelfinger auf die Saiten,
beim Aufschlag eher die Daumenspitze. Eigenes Foto.

Will man noch etwas mehr Lautstärke erzeugen oder im Flat-Picking-Stil spielen, dann sollte man ein Plektrum zur Hilfe nehmen. Ich selber nehme gerne die altbewährten dreieckigen Gitarrenplektren. Aber es gibt natürlich auf dem Markt eine Fülle von Plektren für alle möglichen Zwecke und Instrumente:

Unterschiedlichste Plektren aus dem Musikhandel - und
aus der Küchenschublade! Eigenes Foto.

Erläuterung: (1) Typisches Gitarrenplektrum. (2) Dreiseitiges Plektrum von Herdim mit verschieden dicken Spitzen. (3) Taishokoto-Plektren. Das Loch in der Mitte sorgt für guten Halt. (4) Nochmal Taishokoto: auf einer Seite ist ein rundes Lederblättchen angebracht. (5) Plektren für Saz und Oud sind länglich. Kommt ggf. der Spielweise beim Flat-Picking entgegen.
Und schließlich: (6) Zahnstocker bzw. (7) Schaschlik-Spieß, gekürzt. Solche Holzstäbchen werden ebenfalls traditionell beim Kantelespiel verwendet.

Gekürzter Schaschlik-Spieß im Einsatz. Eigenes Foto.

Wer will, kann seine Kantele zwischendurch natürlich auch mit einem Bogen streichen.

Kleinere Bögen (z.B. für Schülergeigen) sind günstig zu bekommen.
Eigenes Bild.

Wem das gefällt, dem empfehle ich auf Dauer allerdings eher die Anschaffung eines Streichpsalters. Denn das erforderliche Kolophonium verharzt sonst vermutlich Decke und Saiten schon nach kurzer Zeit.

Text und Fotos: Peter Widenmeyer, 2015

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